Meine Oma machte den besten Karfoffelsalat der Welt. Seit ich ein kleines Mädchen war, messe ich jeden anderen Kartoffelsalat an ihrem. Sie machte ihn mit Essig, Öl, Speck und sauren Gurken. (Mein Mann macht ihn immer mit selbstegemachter Majonnaise, ein Familienrezept von seiner Seite - aber das ist NICHT das gleiche).
Als meine Mutter während ihrer zweiten Schwangerschaft eine Zeitlang im Krankenhaus sein musste, wohnte ich eine Zeitlang bei meinen Großeltern. Viel Erinnerungen habe ich nicht daran - aber ich erinner mich das mir irgendjemand erzählte, das in dem Klavier eine kleine Maus wohnen würde.
Meine Oma hatte 12 Kinder, eines starb sehr früh (es war wohl Herzkrank), ein der Söhne (mein Patenonkel) ist vor einigen Jahren tödlich verunglückt.
Es war eine große Familie,mit einem starken Patriarchen und mein Opa war ein echtes Original. Aber meine Oma war die Mutter der Kinder und hatte nicht wenig Einfluss auf vieles.
Aufgewachsen ist sie in Trier in einem gutbürgerlichen Haushalt. Als sie ein kleines Mädchen war,durften sie und ihre Schwester das Rübenkraut nur heimlich naschen. Das gehörte sich nicht - in diesen Kreisen gab es Marmelade (Konfitüre) und kein Rübenkraut.
Meine Oma arbeitete vor ihrer Heirat als Kindergärtnerin und vor einigen Jahren meinte sie, dass sie gar nicht viel davon halte, das viele Kinder schon so einen gedrängten Terminplan hätten. Die hätten ja gar nicht genügend Zeit zum spielen.
Obwohl sie nicht so ganz verstehen konnte, warum ich meine Kinder so lange stillte, hatte sie sich nicht darüber mokiert (wie ich manchmal andere Langzeitstill-Müttern über ihre Großmütter klagen höre). Während des Krieges stillte sie sogar eine Zeitlang ihre Nichte mit. Die Schwester meiner Tante erhielt eine schlechte Nachricht über den Verbleib ihres Mannes und aufgrund des Schocks blieb die Milch weg. Meine Oma stillte also ihre Nichte, allerdings kam dann eines Tages die Tochter dazu, die auch noch gestillt wurde und diese war darüber so empört, dass sie dann das stillen verweigerte.
Meine Oma hat vieles durchgemacht. Und bei einer so großen Familie bleiben Zwistigkeiten, Streit und Missveständnisse nicht aus. Jeder kennt das doch selber.
Als Enkelkind, das viele Jahre auch nicht in der Nähe wohnte, habe ich aber vieles zum Glück auch nicht hautnah miterlebt.
Aber sie hat auch viele schöne Sachen erlebt und sie war erstaunlich in vieler Hinsicht.
Als sie vor einigen Jahren mein Großvater starb, dachten wir alle, die Oma geht auch bald.
Aber nein, sie hat sich fantastisch erholt und in ihrem Seniorenheim Regina Prottmann war sie noch viele Jahre sehr aktiv.
In den letzten 2 oder 3 Jahren hat sie aber dann doch immer mehr "abgebaut". Und sie wurde dann sichtbar älter.
Bei meinem letzten Besuch war sie schon etwas verwirrt, hat mich manchmal mit einem anderen Namen angesprochen.
Sie war jetzt weit über 80 Jahre alt und die letzten 10 Tage lag sie schon nur noch im Bett und war kaum noch bei Bewusstsein.
Und gestern, am Freitag morgen ist sie ganz ruhig eingeschlafen.