Was ist besser: Windeln aus Naturfasern oder Windeln aus Kunstfasern? FAZIT

Ja, welches Windelmaterial ist denn jetzt besser? In punkto Herstellung und Kompostierbarkeit, in Punkto Verträglichkeit und Handhabung und Pflege?

Kann ich ein Fazit ziehen? Kann ich eine eindeutige Empfehlung abgeben?

Nein – kann ich nicht.

Jedes Material hat seine Vor- und Nachteile. Sei es in der Handhabung, sei es in der Verträglichkeit. Sei es im Anbau oder der Herstellung, sei es in der Wiederverwertbarkeit.

Ich denke: jede Familie muss überdenken was sie braucht. Womit sie zurechtkommt. Was das Kind verträgt. Was für die gesamte Familie Sinn macht.

Windeln weiterzugeben – das macht Sinn.

Es der „externen“ Kinderbetreuung wie Kita leichter zu machen, indem
ich supereinfachanzulegende Pocket- oder AIO-Windeln dem Kind mitgebe –
macht Sinn.

Es ist nicht notwendig jeden Modetrend mitzumachen.
Es ist nicht notwendig jede Windel in jeder Farbe zu haben oder jedes Sondermodel zu kaufen.

Eine gesunde Mischung – die macht es aus.

Und daher – machen alle Stoffwindeln, egal welcher Art – mehr Sinn als jede Wegwerfwindel. Denn die benötigen sehr viel an Aufwand für die Herstellung, den Weitertransport bis zum Endkunden, der Entsorgung.

Und in diesem Sinne: viel Spaß in der weiten, großen Welt der Stoffwindeln

Was ist besser: Windeln aus Naturfasern oder Windeln aus Kunstfasern? Teil 3

Und jetzt noch zu den Stoffen / Windeln die einen „natürlichen“ Ursprung haben (also eigentlich hat ja Polyester auch einen natürlichen Ursprung, denn Erdöl ist ja auch natürlich. Waren ja auch mal alles Bäume und Pflanzen auch wenn das schon eine kleine Weile her ist).

Ich meine jetzt Viskosestoffe.
Vor ca. 2 Jahren wurden Bambusstoffe besonders auch in der „Windelszene“ sehr populär. Das Garn ist weich, leicht glänzend, saugfähig. Beworben wurde (wird) Bambus mit „atmungsaktiv, antibakteriel, wundheilend“ etc. Was nicht ganz richtig ist und was in Deutschland dann auch richtig gestellt wurde. Die Industrievereinigung Chemiefaser e. V.  hat diverse Analysen durchgeführt und mittlerweile gibt es auch eindeutige Anweisungen das Textilien aus Bambus als Viskose aus Bambuszellfasern zu kennzeichnen sind.

Was wahrscheinlich nicht unerheblich dazu beigetragen hat: dieses Garn aus Bambus wird hauptsächlich in China hergestellt. Die Garnspulen werden dann oft z. B. nach Europa verschifft und dann wird dort der Stoff gewebt,gewirkt.

Aber egal wo das Garn hergestellt wird – auf jeden Fall hat das Endprodukt nichts mehr mit dem Bambus an sich zu tun.

Viskose wird im allgemeinen aus Pflanzenteilen hergestellt. Aus Holzresten, aus Bambus, aus Fichte, aus xy. Sie werden zerkleinert und mittels chemischen Stoffen (u. A. Schwefelkohlenstoff) zu einem zähen Brei verarbeitet. Diese zähe Masse wird durch winzigste Spinndüsen geschossen und es entsteht ein dünner Faden. Bei dem chemischen Prozess fallen natürlich auch noch Abfallprodukte an, die nicht unerheblich sind und auch irgendwie umweltfreundlich entsorgt werden sollten. Aber wissen wir,wie das in China oder Indien passiert?

ABER: der absolute Vorteil von Bambus ist nun mal der Anbau. Bambus
benötigt sehr wenig an Düngern und Pestiziden. Bambus wächst in
asiatischen Ländern quasi wie Unkraut. Bambus wird auch nicht in den
Wäldern einfach so abgeholzt, die Pandabären müssen deswegen nicht
verhungern. Es gibt große Plantagen und der Bambus wächst einfach
schnell und schnell und schnell. In Asien wird Bambus seit
Jahrhunderten einfach universell eingesetzt und gilt in vielen
Bereichen aufgrund seiner unproblematischen Anbauweise einfach als
nachwachsender Rohstoff der Zukunft.
Hier übrigens noch ein  Link zur Herstellung von Bambustextilien.

In Europa wird Tencel hergestellt und auch dies ist eine Viskose, die vom Hersteller und den weiterverarbeitenden Produzenten als umweltfreundlichere Alternative zu der Bambusviskose angeboten.

Relativ neu auf dem Markt sind Stoffe aus Sojabohnen oder Milcheiweiß.
Abfallverwertung einerseits, aber andererseits: es sind auch Lebensmittel. Sollten wir wirklich Lebensmittel für Textilien verwenden? Müssten wir Überschüsse nicht besser verteilen?
Und welche Art von Soja wird verwendet? Genmanipuliertes Soja? Biologisch korrektes Soja?
Wie sind die entsprechenden Nebenprodukte? Wie werden die entsorgt?
Wie hoch ist der Energieaufwand zu Herstellung von Viskosenstoffen?
Ich hatte mal interessantes Gespräch mit der FH in Reutlingen und der zuständige Professor war schon der Ansicht, dass in Zukunft noch sehr viel mehr an neuen Kunstfasern sich entwickeln wird, als wir im Moment denken.

Der Vorteil von Viskosenstoffe ist übrigens: Viskose kann relativ viel auch an Nässe aufsaugen. Deswegen haben einige namhafte Hersteller auch Saugkerne in ihren Windeln sehr oft mit Viskose bestückt. Die Windeln können so weniger dick geschnitten werden.

Als letzten Teil der Serien dann der Versuch eines Fazits. Siehe morgen dann.

Was ist besser: Windeln aus Naturfasern oder Windeln aus Kunstfasern? Teil 2

Und heute zu den nachwachsenden Rohstoffen die in Windeln verwendet werden:

Es gibt Windeln aus Baumwolle und Hanf, Überhosen aus Wolle.

Erstmal zur Wolle:
Wolle ist atmungsaktiv, wärmend und kühlend (also temperaturausgleichen) und – lachen Sie ruhig – auch für die Seele beruhigend. Gehen Sie mal zu Wollschmiede in Holzweiler und lassen Sie die pflanzengefärbten Wollballen auf sich wirken. Stecken Sie mal tief ihre Nase in neue Wolldecken oder frisch gekurte Wollüberhosen. Das riecht nach Schaf. Schafe begleiten uns Menschen seite Jahrtausenden. Wahrscheinlich ist es schon fast genetisch in unseren Genen verankert, das Wolle beruhigt. Nicht umsonst wird z. B. Filzen in velen Therapien unterstützend eingesetzt.

Andererseits: Wollüberhosen werden nicht von allen Kindern
vertragen. Wolle kommt vom Schaf. Und wie werden diese Schafe gehalten? In
einer biologischen Tierhaltung oder nicht? Erleiden die Schafe das
Mulessing oder nicht? Stehen Schafe nicht auch unter dem
Generalverdacht die Klimabilanz negativ zu verändern?

An pflanzlichen Fasern im Windelbereich gibt es Baumwolle und Hanf:

Baumwolle ist in vielen Windeln zu finden und wird auch sehr oft
vertragen. D. h. die  Kinderhaut verträgt es sehr oft mal für kurze
Zeit nass vom eigenen Urin zu sein.  Baumwollstoffe lassen sich
auskochen, sind weich, lassen sich bleichen und färben und mit anderen
Fasern mischen.

ABER: Baumwolle wird immer noch zum größten Teil konventionell
produziert. Der Anteil der biologisch erzeugten Baumwolle wächste von
Jahr zu Jahr, aber immer noch ist Baumwolle einfach die Pflanze die
weltweit den größten Anteil am Verbrauch von Düngern und Pestiziden
hat. Vom Wasserverbrauch mal ganz zu schweigen. Baumwolle wächst in
warmen Regionen, dort ist zumeist Wasser Mangelware, das wird aber für
Baumwolle dringend benötigt.

Hanf ist eine Alternative die ein Revival in den letzten Jahren erlebt.
Meist werden Hanffasern mit Baumwollfasern gemischt, dadurch wird der
Stoff weicher und anschmiegsamer. Hanf quillt bei Feuchtigkeit auf und
kann die Nässe nur langsam aufnehmen. Der Baumwollanteil sorgt auch für
eine schnellere Aufnahme des Pipis.
Hanf ist relativ unkompliziert im Anbau, benötigt wenig Dünger, kaum
Pestizide. Allerdings sind die meisten Anbauflächen in China – wieder
ein kritisches Thema.
Hanf aus Europa kommt meist aus Rumänien, der gilt als qualitativ
hochwertiger, aber die Anbauflächen sind dort im Grunde genommen noch
zu klein und die entsprechenden Hanfmühlen ebenfalls.
Hanf ist etwas komplizierter in der Pflege: er sollte möglichst nicht
mit Pulverwaschmitteln gewaschen werden, da sich winzigste Teile in den
Hohlfasern festsetzen und aufquellen können. Dadurch wird die Fasern
zerstört, der Hanf wird brüchig, der Stoff geht kaputt  Vielen ist das
nicht bewusst und sie wundern sich,warum der Hanfstoff so hart wird.
Warhscheinlich passiert dies auch in Gegenden mit hartem Wasser.
Hanf ist aufgrund des geringeren Anbauvolumens auch teuerer als Baumwolle.

Baumwolle und Hanf benötigen auch beide meist etwas länger zum trocknen als die Mikrofaserwindeln. Für manche Kunden problematisch, da es bei Ihnen aus dem einen oder anderen Grund gerade in der kalten Jahreszeit Probleme mit dem Wäschtrocknen geben kann.

Sie sehen – auch die nachwachsenden Textilfasern sind nicht unproblematisch. Sowohl in de Pflege als auch in der Herstellung.

Und dann gibt es noch einen Teil, nämlich die Kunstfasern die aus natürlichen Rohstoffen wie Pflanzen oder Eiweiß hergestellt werden. Siehe Teil 3.

Was ist besser: Windeln aus Naturfasern oder Windeln aus Kunstfasern? Teil 1

Diese Fragen werden doch recht häufig gestellt: Welches Material ist besser? Ist es nicht widersinig ein Kind mit Kunstfasern zu wickeln, dann kann ichja gleich Wegwerfwindeln nehmen?

Keine leichte Frage – keine kurze Antwort.

Die Vorteile von Windeln aus Kunstfasern: sie sind pflegeleicht, sie sind einfach anzulegen, sie sind aufgrund der vielen angebotenen Mustern und Stoffe einfach "stylish". Machen was her.
UND: sehr oft sind sie einfach für viele Babys besser verträglich als Naturfasern.
Ein Mikrofaserfleece leitet z. B. das Pipi an die darunter liegende Saugeinlage weiter. Die Babyhaut liegt trockener und quillt weniger auf. Manche Babys reagieren zumindest zeitweise (Zahnung, Krankheit) empfindlich auf nasse Windeln und es es gibt sogar welche die damit enorme Probleme haben. Weltweit bekannte Windeln wie z. B. FuzziBunz, Bumwear, Swaddlebees – sind aus diesen Gründen erfunden worden. Viele Kinder vertragen keine Wolle und können daher keine Wollüberhosen nutzen – für diese Kinder sind ebenfalls die Mikrofaserhöschen von Vorteil
Die Nachteile: dieses trockenhalten der Haut vertragen andererseits viele Kinder auch nicht. Es gibt mittlerweile auch viele Menschen die auf Kunstfasern allergisch reagieren. Windeln aus Kunstfasern sind biologisch schwer abbaubar. Die Beschichtung aus Polyurethan soll angeblich kombostierbar sein – aber diese Beschichtung ist maximal 1-2 mm dünn, der Rest besteht aus Polyestergewebe. Und das ist aus Erdöl und ich habe ehrlich keine Ahnung wie lange es dauert, bis Polyesterfasern abgebaut sind. Wahrscheinlich lange.
Ausserdem werden wertvolle Rohstoffe benötigt, die Verarbeitung könnte nicht unproblematisch sein bezüglich Engerieaufwand, Abfall, etc. 
Und – es gibt noch keine Langzeitstudien die die Unbedenklichkeit oder aber Bedenklichkeit von Kunstfasertextilien großflächig beurteilen können. Werden Schadstoffe über die Haut in den menschlichen Organismus abgegeben oder nicht? Wir wissen es (noch) nicht.

Hm, nicht leicht. Und jetzt zu den nachwachsenden Rohstoffen:

Es gibt Windeln aus Baumwolle und Hanf, Überhosen aus Wolle.

Wie schon erwähnt: Wollüberhosen werden nicht von allen Kindern vertragen. Wolle kommt vom Schaf. Wie werden diese Schafe gehalten? In einer biologischen Tierhaltung oder nicht? Erleiden die Schafe das Mulessing oder nicht? Stehen Schafe nicht auch unter dem Generalverdacht die Klimabilanz negativ zu verändern?

Baumwolle ist in vielen Windeln zu finden und wird auch sehr oft vertragen. D. h. die  Kinderhaut verträgt es sehr oft mal für kurze Zeit nass vom eigenen Urin zu sein.  Baumwollstoffe lassen sich auskochen, sind weich, lassen sich bleichen und färben und mit anderen Fasern mischen.
ABER: Baumwolle wird immer noch zum größten Teil konventionell produziert. Der Anteil der biologisch erzeugten Baumwolle wächste von Jahr zu Jahr, aber immer noch ist Baumwolle einfach die Pflanze die weltweit den größten Anteil am Verbrauch von Düngern und Pestiziden hat. Vom Wasserverbrauch mal ganz zu schweigen. Baumwolle wächst in warmen Regionen, dort ist zumeist Wasser Mangelware, das wird aber für Baumwolle dringend benötigt.

Hanf ist eine Alternative die ein Revival in den letzten Jahren erlebt. Meist werden Hanffasern mit Baumwollfasern gemischt, dadurch wird der Stoff weicher und anschmiegsamer. Hanf quillt bei Feuchtigkeit auf und kann die Nässe nur langsam aufnehmen. Der Baumwollanteil sorgt auch für eine schnellere Aufnahme des Pipis.
Hanf ist relativ unkompliziert im Anbau, benötigt wenig Dünger, kaum Pestizide. Allerdings sind die meisten Anbauflächen in China – wieder ein kritisches Thema.
Hanf aus Europa kommt meist aus Rumänien, der gilt als qualitativ hochwertiger, aber die Anbauflächen sind dort im Grunde genommen noch zu klein und die entsprechenden Hanfmühlen ebenfalls.
Hanf ist etwas komplizierter in der Pflege: er sollte möglichst nicht mit Pulverwaschmitteln gewaschen werden, da sich winzigste Teile in den Hohlfasern festsetzen und aufquellen können. Dadurch wird die Fasern zerstört, der Hanf wird brüchig, der Stoff geht kaputt  Vielen ist das nicht bewusst und sie wundern sich,warum der Hanfstoff so hart wird. Warhscheinlich passiert dies auch in Gegenden mit hartem Wasser.
Hanf ist aufgrund des geringeren Anbauvolumens auch teuerer als Baumwolle.