Und jetzt noch zu den Stoffen / Windeln die einen „natürlichen“ Ursprung haben (also eigentlich hat ja Polyester auch einen natürlichen Ursprung, denn Erdöl ist ja auch natürlich. Waren ja auch mal alles Bäume und Pflanzen auch wenn das schon eine kleine Weile her ist).

Ich meine jetzt Viskosestoffe.
Vor ca. 2 Jahren wurden Bambusstoffe besonders auch in der „Windelszene“ sehr populär. Das Garn ist weich, leicht glänzend, saugfähig. Beworben wurde (wird) Bambus mit „atmungsaktiv, antibakteriel, wundheilend“ etc. Was nicht ganz richtig ist und was in Deutschland dann auch richtig gestellt wurde. Die Industrievereinigung Chemiefaser e. V.  hat diverse Analysen durchgeführt und mittlerweile gibt es auch eindeutige Anweisungen das Textilien aus Bambus als Viskose aus Bambuszellfasern zu kennzeichnen sind.

Was wahrscheinlich nicht unerheblich dazu beigetragen hat: dieses Garn aus Bambus wird hauptsächlich in China hergestellt. Die Garnspulen werden dann oft z. B. nach Europa verschifft und dann wird dort der Stoff gewebt,gewirkt.

Aber egal wo das Garn hergestellt wird – auf jeden Fall hat das Endprodukt nichts mehr mit dem Bambus an sich zu tun.

Viskose wird im allgemeinen aus Pflanzenteilen hergestellt. Aus Holzresten, aus Bambus, aus Fichte, aus xy. Sie werden zerkleinert und mittels chemischen Stoffen (u. A. Schwefelkohlenstoff) zu einem zähen Brei verarbeitet. Diese zähe Masse wird durch winzigste Spinndüsen geschossen und es entsteht ein dünner Faden. Bei dem chemischen Prozess fallen natürlich auch noch Abfallprodukte an, die nicht unerheblich sind und auch irgendwie umweltfreundlich entsorgt werden sollten. Aber wissen wir,wie das in China oder Indien passiert?

ABER: der absolute Vorteil von Bambus ist nun mal der Anbau. Bambus

benötigt sehr wenig an Düngern und Pestiziden. Bambus wächst in

asiatischen Ländern quasi wie Unkraut. Bambus wird auch nicht in den

Wäldern einfach so abgeholzt, die Pandabären müssen deswegen nicht

verhungern. Es gibt große Plantagen und der Bambus wächst einfach

schnell und schnell und schnell. In Asien wird Bambus seit

Jahrhunderten einfach universell eingesetzt und gilt in vielen

Bereichen aufgrund seiner unproblematischen Anbauweise einfach als

nachwachsender Rohstoff der Zukunft.

Hier übrigens noch ein  Link zur Herstellung von Bambustextilien.

In Europa wird Tencel hergestellt und auch dies ist eine Viskose, die vom Hersteller und den weiterverarbeitenden Produzenten als umweltfreundlichere Alternative zu der Bambusviskose angeboten.

Relativ neu auf dem Markt sind Stoffe aus Sojabohnen oder Milcheiweiß.
Abfallverwertung einerseits, aber andererseits: es sind auch Lebensmittel. Sollten wir wirklich Lebensmittel für Textilien verwenden? Müssten wir Überschüsse nicht besser verteilen?
Und welche Art von Soja wird verwendet? Genmanipuliertes Soja? Biologisch korrektes Soja?
Wie sind die entsprechenden Nebenprodukte? Wie werden die entsorgt?
Wie hoch ist der Energieaufwand zu Herstellung von Viskosenstoffen?
Ich hatte mal interessantes Gespräch mit der FH in Reutlingen und der zuständige Professor war schon der Ansicht, dass in Zukunft noch sehr viel mehr an neuen Kunstfasern sich entwickeln wird, als wir im Moment denken.

Der Vorteil von Viskosenstoffe ist übrigens: Viskose kann relativ viel auch an Nässe aufsaugen. Deswegen haben einige namhafte Hersteller auch Saugkerne in ihren Windeln sehr oft mit Viskose bestückt. Die Windeln können so weniger dick geschnitten werden.

Als letzten Teil der Serien dann der Versuch eines Fazits. Siehe morgen dann.