Im ersten Teil habe ich über UNSEREN Weg erzählt, wie es bei uns seit Gründung in 2006 gelaufen ist.

Die Motiviation einen eigenen Shop im Bereich Kinderausstatung zu eröffnen sind vielfältig. Auffallend ist aber, das gerade im Bereich Stoffwindeln und Tragen die persönliche Begeisterung und das Gefühl: „Davon müssen noch viel mehr Leute erfahren“ oder „Ich möchte noch ganz andere Modelle den Menschen zugänglich machen“ sehr oft eine Rolle spielen.  

Bei all der berechtigten Begeisterung sollte man aber die notwendingen Fakten nicht aus den Augen verlieren.

Auf jeden Falll solltet Ihr Euch vorher ein paar Gedanken machen und vielleicht kann Euch dieser Beitrag bei der Planung helfen. Bitte beachten: es fehlen bestimmt noch ein paar andere Informationen die ich jetzt nicht aufgeführt habe (Betriebsblindheit?), es ist keine  Rechtsberatung und es können sich immer rechtliche Voraussetzungen ändern. 

Am Anfang abklären:

  • Wie steht meine Familie dazu?
  • Kann ich eine Selbständigkeit alleine tragen oder brauche ich zusätzliche Unterstützung durch Familie oder externe Dienstleister? (Putzfrau? Kinderfrau? Eventuell schon Angestellte bei einem richtigen Laden?)
  • Trau ich mir das kaufmännisch zu?
  • Brauche ich einen Steuerberater oder einen Business-Coach?
  • Bietet mir die örtliche IHK Kurse oder Hilfe an?
  • Familienkrankenversicherung: man darf nur eine maximale Stundenanzahl arbeiten um dort bleiben
  • Benötige ich eventuell die Genehmigung des (bisherigen) Arbeitgebers zur Nebentätigkeit
  • Vermieter fragen: darf ich ein Gewerbe in meiner Mietwohnung ausüben?
  • IHK: zahle ich gleich am Anfang Beiträge oder erst später?
  • Wohne ich in einem reinen Wohngebiet oder ist es ein Mischgebiet? Könnten sich Nachbarn an ständigen Kundenbesuchen  oder Lieferungen stören?
  • Benötige ich bei Beratungen und beim Verkauf noch eine Kundentoilette, einen Kundenparkplatz oder ähnliches?
  • Welche Unternehmensform wähle ich?
  • Nehme ich die Kleinunternehmerregelung in Anspruch oder nicht? Das geht bis zu einem UMSATZ von 17.500 Euro (nicht Gewinn, Umsatz).

Wenn Ihr das alles geklärt habt, dann geht Ihr zu Eurer Stadtverwaltung / Gemeinde und könnt ein Gewerbe anmelden (kostet je nach Gemeinde zwischen 30 und 50 Euro). Macht Euch vorher durch einen Anruf oder Blick auf die Webseite schlau welche Unterlagen benötigt werden.

Angenommen das ist alles in Ordnung, jetzt ist der Gewerbeschein da und Du möchtest Waren einkaufen.  Das hört sich einfacher an als es manchmal sein wird. Mittlerweile sind viele Hersteller und Großhändler dazu übergegangen, Mindestbestellmengen einzuführen. Diese können zwischen 150 und 1.000 Euro liegen. Manchmal nur für die Erstbestellung, manchmal auch für Folgebestellungen. Abgesehen davon gibt es auch Hersteller die entweder: gar nicht an Online Händler verkaufen oder Online Händler bevorzugen oder sagen: Wir haben schon genug Händler oder sie wollen keine Wohnzimmer-Läden oder: dort in der Nähe gibt es schon einen Laden der meine Produkte verkauft.  

Abklären:

  • Welches Budget kann ich aufbringen? Wie viel Geld kann ich in Waren investieren?
  • Kann und will ich es mir leisten erstmal sämtliche Gewinne in neue Ware zu investieren?
  • Wie viel Geld kann ich in Werbung investieren?
  • Wie lange kann ich es mir leisten das Geld in den Waren liegen zu lassen?
  • Wollen mich die Großhändler, Hersteller überhaupt?
  • Versicherung: werden die Waren in einem Schadensfall von der Hausrat mit abgedeckt oder benötige ich eine extra Versicherung?
  • Habe ich genügend Lagerplatz an Stellen die geruchsfrei sind?
  • Muss ich etwas umbauen – dafür wird Geld benötigt?

Ein weiterer Punkt: Produktrecherche

Wie hebe ich MICH von einem anderen Laden ab?  Egal ob Ladengeschäft in der Einkaufsstraße, im Wohnzimmer oder im Internet: Warum sollen die Leute bei mir kaufen?

  • Produktabgrenzung
  • Bin ich gut und geduldig genug in der Recherche?
  • Traue ich mir zu Hersteller in einer Fremdsprache anzuschreiben?
  • Verstehe ich ich überhaupt was auf deren Webseite steht?

Und eines auf KEINEN Fall tunandere Shops anschreiben und fragen:“ Hey, ich finde Dein Produkt xy ganz toll, wo hast Du das  bestellt, das möchte ich selber verkaufen.“ 

Angenommen Ihr habt eine neue, tolle Windel im Ausland gefunden und zwar außerhalb der EU, dann ist folgendes zu beachten –  und muss auch in die Preiskalkulation mit einbezogen werden:

  • Zoll mit Zollnummern, TARIC
  • Lieferkosten
  • je nach Größe der Bestellung Kenntnisse der INCO Terms (das sind internationale Kürzel für Handelsklauseln) – je nachdem kommen immer zusätzliche Kosten auf Euch zu
  • Lieferzeiten – Seefracht dauert länger als Luftfracht, unversicherte Sendungen sind gar nicht zu empfehlen
  • Abwicklungskosten der Paketdienste: die Zollabwicklung wird in Rechnung gestellt oder ihr nehmt Euch die Zeit die Waren persönlich beim Zoll abzuholen, das geht aber nicht bei Lieferungen per Fedex oder UPS oder ähnliches
  • Währungsschwankungen und zusätzliche Währungskosten
  • Müssen Belege beim Zoll eingereicht werden?
  • Darf ich das Produkt überhaupt in Deutschland so ohne Beschränkung verkaufen?
  • Sind zusätzliche Kennzeichnungen notwendig?
  • Ist das Produkt kennzeichnungspflichtig? (Waschmittelverordnung, Datenblatt)

Solltet Ihr überlegen einen Online-Shop zu eröffnen, dann stellt Ihr Euch einer ganz großen Herausforderung. Das Internetrecht ist mittlerweile ein eigenes Fachgebiet zahlreicher Fachanwälte geworden. Einen Shop mal „eben so einzurichten und das jetzt dies und das so fehlt ist nicht so schlimm, Hauptsache erstmal Online“ – ja, kann man machen wenn man russisch Roulette mag. Das gilt für einge Webshops oder auch Plattformen wie Dawanda, Ebay, Amazon…

Online Shop einrichten bedeutet:

  • Kann ich selber das Shopsystem betreuen oder brauche ich jemanden dafür?
  • Wenn ich jemanden dafür brauche – dann Geld dafür zurückstellen
  • Rechtliche Beratung unbedingt einholen! Das kostet zwar Geld, aber eine Abmahnung kostet noch mehr. Es gibt einige Anwaltskanzleien die sich darauf spezialisiert haben wie IT Rechtkanzlei München oder andere.
  • Zeit um die Produkte einzupflegen
  • Zeit um Kundenmails zu beantworten
  • Sicherheit und Backups: kann ich updates jederzeit selber einspielen, muss ich jemanden dafür bezahlen? Welchen Server oder Service nutze ich?
  • Biete ich eine verschlüsselte Seite an, dann muss ich den Service auch bezahlen
  • Mitgliedschaften bei Trusted Shop oder dem Händlerbund sind gut und nützlich, kosten aber Geld und Zeit – das muss ich aufwenden können
  • Datensicherheit – welche Kundendaten sind wirklich notwendig, was nicht? Was mute ich meinen Kunden zu?
  • Möchte ich bestimmte Auswertungen machen oder nicht? Dann muss ich die Kunden aber informieren.
  • Möchte ich unabhängig bleiben oder kann ich das alles nicht und verkaufe bei Dawanda, Ebay oder Amazon? Dann fallen immer Gebühren an und leider schludern die „Großen“ auch oft bei Gesetzesänderungen – das Risiko jedoch trägt der Verkäufer
  • Gewährleistung bei den Produkten: wenn sich ein Produkt als fehlerhaft erweist, dann muss es repariert oder ausgetauscht werden
  • Versandkostenrisiko liegt immer beim Verkäufer

Ein wichtiges Thema bei jeder Art von Geschäft ist die Preiskalkulation:

Es gibt jetzt natürlich mehrere Ansätze ein Geschäft zu betreiben:

  • Ich möchte damit das Familieneinkommen unterstützen oder sogar komplett die Familie finanzieren können
  • als Abschreibungsobjekt um woanders Steuern zu sparen. Achtung denkt ans Hans Riegel mit seinem Hotel (Hobbyregelungen)
  • als Hobby: es kommt nichts dabei rum, ausser vergünstigte Windeln, zu viele Windeln und den Kontakt zu anderen Leuten

Viele machen am Anfang der Fehler, die Preis zu niedrig anzusetzen. Eine Preiskalkulation muss folgendes enthalten:

  • Wareneinkaufswert netto
  • Zusatzkosten wie Lieferkosten, Zölle, Steuer, weitere Abgaben
  • Steuern
  • Versandkosten
  • einzuberechnen sind bei den Versandkosten auch eventuell anfallende Retouren oder Reklamationskosten
  • Werbung
  • Lagerkosten, Versicherungen

Und jetzt kommen wir zum dem Thema MARGE oder Handelsspanne: Stoffwindeln haben so mit die schlechteste Marge im Textilhandel überhaupt. Wen das ein bisschen interessiert, hier ein Link– die Zahlen werden bei weitem NICHT bei Stoffwindeln erreicht. Die Handelsspanne ist die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis und soll alle anfallenden Kosten PLUS Gewinn abdecken. Ihr könnt Euch vorstellen, das eine niedrige Marge natürlich auch zu einem kleinen Gewinn führt. Aber irgendwann muss ja auch was dabei rumkommen. Oder möchtet Ihr im Endeffekt umsonst gearbeitet haben?

Wenn Euch das alles nicht abschreckt, dann fangt an! Ein eigenes Unternehmen kann Euch sehr viel bieten: ihr gestaltet selber Eure Zeit, Eure Urlaubsplanung und könnt langfristig auch Geld verdienen.

Zum Teil „Familie und Selbständigkeit“ werde ich auch noch einen Teil schreiben.

Das erstmal für heute, ich hoffe es hilft Euch etwas weiter .

Natürlich sind noch viel mehr Dinge zu beachte – da macht Euch bitte selber schlau. Ich kann Euch hier keine komplette Gründungs- oder Rechtsberatung geben. Und wem noch etwas dazu einfällt, der kann gerne den Beitrag kommentieren.

Ich wünsche noch einen schönen Pfingstmontag,

Sabine