Seit 5 Jahren habe ich die Möglichkeit in einer sehr netten Frauengruppe auf dem Jakobsweg zu pilgern. Als Gruppe werden wir wahrscheinlich nie Santiago de Compostella erreichen, denn wir gehen immer nur 5 Tage im Jahr gemeinsam und nutzen dabei einen der Feiertage im Mai. Also suchen wir uns in Deutschland immer wieder “neue” Jakobswege. Die letzten zwei Jahre waren wir z. B. auf dem Mosel Camino unterwegs, gar nicht so weit weg von uns, gut zu erreichen - und wirklich sehr schön. Aber auch sehr bergig. In diesem Jahr haben wir uns den Jakobsweg ab Speyer ausgesucht. Es gibt zwei Routen:

eine südliche und eine nördliche. Unsere Planung ergab das die Kombination von Streckenabschnitten und Unterkünfte für 12 Personen auf der südlichen Route leichter zu erfüllen waren. Hinweis für Gruppen: wer ebenfalls über einen Feiertag pilgern möchte und eine große Gruppe hat: bucht Eure Unterkünfte mindestens 1 Jahr vorher. Die 10 Monate die wir vorher planten waren schon knapp und es war teilweise schwierig Zimmer zu bekommen.

Unsere Etappenplanung sah so aus:

  • Tag 1: Ankunft gegen Mittag in Speyer, Wanderung vom Hbf. über den Dom nach Lingenfeld - Wegstrecke ca. 17 km, Unterkunft in Lingenfeld: Hotel zur Rose. Sehr nettes kleines Familienhotel mit gigantischen Essensportionen. Und einer ausgesprochen köstlichen, hausgemachten Erdbeerkonfitüre zum Frühstück.
  • Tag 2: Lingenfeld bis Rülzheim - Wegstrecke ca. 18 km, Unterkunft in der Pension Eulenburg. Direkt an einer gut befahrenen Kreuzung gelegen, spannend den Musikgeschmack der einheimischen Jugend nachts kennen lernen zu dürfen, ebenso deren rasante Fahrweise. Nachmittags gab es keine 200 Meter weiter noch ein sehr leckeres Eis in einem italienischen Eiscafe und Abends dann direkt gegenüber im Gasthof zur Krone gute pfälzer Hausmannskost. Auch hier war der Salat wieder sehr gut und hungrig ist niemand von uns aufgestanden.
  • Tag 3: Rülzheim bis Landau - Wegstrecke ca. 24 km. Unsere Unterkunft lag sehr weit im Westen von Landau. Wir konnten in der erst kürzlich renovierten Evangelischen Bildungsstätte “Butenschoen Haus” unterkommen. Sehr, sehr schön, sehr netter Empfang und unglaublich hilfsbereite Mitarbeiter! Das Frühstück war auch sehr gut!
  • Tag 4: Landau bis Bad Bergzabern: die offizielle Strecke wäre über 20 km gewesen, wir haben aber dann am Nachmittag einiges abgekürzt. Ob das so schlau war sind wir uns im Nachhinein nicht so ganz sicher denn so hatten wir doch einiges an Bergauf- und abstiegen, während der Jakobsweg eigentlich durch die Weinberge verläuft. Leider war Bad Bergzabern ausgebucht, daher wurden wir mit Hilfe des Tourismusbüros in Schweigen-Rechtenbach untergebracht. Dahin sind wir allerdings mit dem Bus vom Hbf. aus gefahren. Somit haben wir aber auch direkt am Deutschen Weintor übernachtet und auch hier einen wunderbaren Abend in einem Weingut verbracht. Mit leckerem Wein - und ganz mutig haben sich vier von uns einen Teller Saumagen mit Kraut geteilt. Und das war wirklich überraschend lecker! Der Name ist ja schon *** - also abschreckend. Aber das Gericht ist wirklich gut.
  • Tag 5: Rückfahrt nach Bonn mit der Bahn

Ausschilderung / Karten: Als Reiseführer nutzten wir den Outdoor Führer “Jakobsweg Speyer-Metz” von Michael Schnelle, der zum größten Teil sehr ausführlich ist, aber an manchen Stellen doch verwirrend den Weg beschreibt. Eine gute Ergänzung ist die App “Gastlandschaften Rheinland Pfalz” von outdooractive die wirklich hilfreich ist. Sollte Euer Akku aber auch schon machmal schwächeln, dann nehmt auf jeden Fall eine Powerbank mit. Sehr hilfreich! (woher ich das nur weiß.)

Leider, leider ist die Beschilderung des Jakobsweg zumindest auf dem Südweg mehr als dürftig! Am ersten Tag auf dem Weg von Speyer bis Lingenfeld haben wir nur 3! Muscheln gefunden! Und dazu völlig ausgeblichen so das sie überhaupt nicht auffielen. Liebe Jakobusgesellschaft in Speyer: das ist mehr als Schade! Und ohne die Outdoor App hätten wir (trotz Buch und Wanderkarte) uns streckenweise wirklich verirrt und wären Wege doppelt gegangen. Es ist doch keine Schande den Weg mit der Muschel auszustatten!

Der Weg führte uns die ersten 1,5 Tage durch die rheinische Tiefebene immer am Altrhein entlang. Sehr schöne Auenlandschaft und ein phantastisch ausgebauter Fahrradweg. Das bedeutet gleichzeit: ein furchtbar anstrengender Weg für Wanderer. Dauernd Asphalt bei fast 30° Grad ließ die Füße anschwellen und in diesem Jahr hatten sehr viele von uns mit Blasen und der “Pilgerkrätze” zu tun. Leider war wirklich fast die gesamte Strecke zum allergrößten Teil Asphaltweg. Als wir endlich in den nächsten Tagen mal auf Wirtschaftswege mit Schotter und Grasstreifen kamen oder auch mal durch den Wald wandern konnten - da ging es uns doch gleich viel besser.

Wir haben übrigens auch mehrmals Störche gesehen! Eine absolute Seltenheit. Offenbach begrüßt auch seine Besucher am Ortsausgang (Eingang) mit einem Storchentor.

Richtig schön fand ich dann die Landschaft ab Rülzheim, es wurde auch hügeliger und abwechslungsreicher. In der Ferne sahen wir das Hambacher Schloß, wir kamen unterhalb der Burg Landeck vorbei, sahen fantastische Wildblumenwiesen und teilweise pittoreske Dörfchen.

Was übrigens ein Teil unserer Teilnehmerinnen in diesem Jahr zum ersten Mal machte: sie organisierten schon vorher unterschiedliche Taxen um das Gepäck von einer Unterkunft zur nächsten zu transportieren. Das war kein Problem und hat prima geklappt.

Wer also auf diesem Jakobsweg pilgern/wandern möchte - unbedingt entweder die App oder noch größere Wanderkarten mitnehmen und auf jeden Fall während der Pausen die Füße hochlegen (Asphalt!) und nicht zu enge Strümpfe tragen. Und: die Pfälzer Wirtschaften auszuprobieren lohnt sich (auch wenn man sonst eher italienisch oder so isst).